Studium

Der Beruf des Architekten ist eine abenteuerliche Tätigkeit: ein Grenzberuf in der Schwebe zwischen Kunst und Wissenschaft, auf dem Grat zwischen Erfindung und Gedächtnis, zwischen dem Mut zur Modernität und der Achtung der Tradition.“ (Renzo Piano: Mein Architekur- Logbuch 1997)

Perspektive

Die kulturellen, psychologischen und sozialen Aspekte des „Lebensraumes“ des Menschen sollen benannt und in der Arbeit des Architekten berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist es erforderlich, dass Architektinnen und Architekten die wesentlichen Aspekte des Bauens und der Bauschaffenden kennen. Denk- und Handlungsweisen der Technikwissenschaften müssen verstanden werden und diese im kreativen Entwurfsprozess zu sinnvollen Lösungen zusammengeführt werden. Wie kaum eine andere Profession vereinigt Architektur klassisches Handwerk und neue Technologien mit kultureller Wahrnehmung und intellektueller Auseinandersetzung mit dem Ziel, baukulturelle Beiträge zu leisten.

Das Studium der Architektur gehört zu den begehrten Studienfächern. Kreativität, Technik, Sozial- und Kulturwissenschaften werden im Studium thematisiert und im Entwurf zusammengeführt. Im Bachelor- und Masterprogramm werden keine Fächer, sondern Module belegt. Die Gewichtung eines einzelnen Moduls in dem europäischen Studiensystem, das das Diplomstudium abgelöst hat, wird durch das „ECTS- Bewertungssystem“ geregelt. Das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten an Hochschulen des Europäischen Hochschulraumes vergleichbar und bei einem Wechsel von einer Hochschule zur anderen, auch grenzüberschreitend, anrechenbar sind. Je Semester sollen 30 ects erreicht werden. Die Ziele sind durchaus lobenswert: Austausch, Auslandsaufenthalt und Orientierung im Studienablauf.

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Das grundständige, je nach implementierter Praxisphase, sechs- bis achtsemestrige Bachelorstudium soll den Einstieg in die Methodik des Entwerfens und Konstruierens, vor allem jedoch die Neugierde am steten Hinterfragen, Verwerfen und Neubeginnen wecken. Es führt zu einem ersten akademischen Abschluss, der für ein weiterführendes Masterstudium qualifiziert. Die Kammerzulassung als Architekt wird von den einzelnen Länderkammern geregelt und innerhalb Deutschlands unterschiedlich gehandhabt. Im europäischen Kontext sind entsprechend den UNESCO/UIA- Standards, mindestens 10 Studiensemester zum Kammereintrag notwendig. Auch für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst sind 10 Semester Studium erforderlich.

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Trier (Augusta Treverorum), von den Römern gegründet, zweitausend Jahre Kultur- und Baugeschichte, geographisch in der Mitte Europas verortet. 100.000 Einwohner, davon über 20.000 Studenten an zwei Hochschulen, mildes Klima und Weinbau. Das sind die Rahmenbedingungen, die einer Architekturschule mit einer 100- jährigen Geschichte Basis geben.

Architektinnen und Architekten sind dem gesellschaftlichen Auftrag nach Baukultur ebenso verpflichtet, wie der Weiterentwicklung architektonischer Gestaltung unter Anwendung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, technischer Entwicklungen und nicht zuletzt gestalt- und raumgebender Faktoren.
Vor diesem Hintergrund hat die Fachrichtung Architektur im Rahmen des Bachelor- und Masterreformprozesses neue Ausbildungsinhalte in Ergänzung zu anerkannten Themen auf Grundlage der europäischen Architektenqualifikation „Architect’s council of Europe“ umgesetzt. Die Architekturausbildung in Trier ist eingebettet in das Netzwerk und die Infrastruktur aller Gestaltungsdisziplinen der Hochschule.
Interdisziplinäre Ausbildungselemente aus der Vielschichtigkeit gestaltender- und formgebender Studiengänge ergänzen die Kernausbildung und Methodenkompetenz der Architektur. Die bauliche Entwicklung eines innerstädtischen „Campus für Gestaltung an der Hochschule Trier“ ist die zeitgemäße Konsequenz eines interdisziplinären Ausbildungsansatzes. Durch das „Trierer Modell“ eröffnen wir unseren Absolventen den Zugang zu internationalen hochrangigen Architekturarbeitsplätzen.

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Das Architekturstudium an der Hochschule Trier im Bachelor, und noch mehr im Masterprogramm ist gekennzeichnet durch einen hohen Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden. Der Zugang zu den Dozenten erfolgt unmittelbar in gleichberechtigter Diskussion und flacher Hierarchie, der persönliche Diskurs wird unterstützt. Ein Team an ProfessorInnen und Lehrenden aus Architektur, Kunst, Technik und Wissenschaft versucht, die kreativen und analytischen Potentiale der Studenten herauszuarbeiten und zu neuen gestalterischen und entwurflichen Ansätzen zu führen. Die Diskussions- und Arbeitsatmosphäre wird bis zu den selbstverwalteten Atelierräumen der Studierenden weitergeführt. Sie bieten Platz für Diskussion, Treffpunkt, Austausch und das individuelle Arbeiten. Arbeitsatmosphäre und Kommunikation fördern das „forschende Lernen“.

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In den vier Semestern des Masterstudiums Architektur werden die kreativen Stärken der Studierenden individuell gefördert. Im Studienverlauf werden entwurfliche und baukonstruktive Zusammenhänge an komplexen Objekten und Architekturen im Rahmen eines Projektstudiums bearbeitet. Je nach Aufgabenschwerpunkt erfolgt die Bearbeitung der Entwürfe bis zum architektonischen Detail. Individuelle Schwerpunktsetzungen im Studienablauf des Masterprogramms erlauben Vertiefungen nach Interesse und Neigung. Unser digitales Labor „DIGILAB“ hilft, die in den Zeichnungen und am Computer generierten Ideen in haptische Modelle umzusetzen. Gastprofessoren leiten kleine Ateliereinheiten oder werden als Kritiker geladen.

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Jährlich stattfindende Symposien mit der Schwerpunktsetzung „Integrale Planung“ stellen die Brücke zwischen praktizierenden Architekten und engagierten Studierenden her. Durch differenzierte Schwerpunktsetzungen der Lehr- und Forschungsgebiete wird entsprechend der ganzheitlichen Ausbildung von Planern, Konstrukteuren und Architekten ein zeitgemäßes Ausbildungskonzept angeboten.

Baukultur

Den einzelnen Lehrgebieten zugeordnete talentierte Studierende, die Tutoren, sowie die Fachschaft, unterstützen die Organisation des Lehr- und Laborbetriebes und sind unmittelbarer Ansprechpartner der Studierenden.
Im Rahmen von Exkursionen haben unsere Studierenden die Möglichkeit, die architektonischen Besonderheiten des In- und Auslandes kennenzulernen. In den vergangenen Jahren haben wir u.a. London, Amsterdam, Kopenhagen, Italien, Österreich, die Schweiz und die USA besucht. Engagierte Studierende, die für ein oder zwei Semester als Gast an eine unserer ausländischen Partnerhochschulen- bzw. Universitäten studieren möchten, unterstützen wir gerne.

Ein offenes, zukünftigen architektonischen Entwicklungen positiv gestimmtes
Kollegium mit der Bereitschaft individueller Talentförderung sowie gute Stimmung unter
den Studierenden sind die Kennzeichen eines Architekturstudiums in Trier.

Professor Dr. Matthias Sieveke, April 2014